Monday, January 21, 2019

ELEKTRA als musikalische Sensation!

Pressestimmen:

"Richard Strauss "Elektra" am Landestheater Linz wird durch Markus Poschner und das Bruckner Orchester Linz zum klingenden Ereignis. Musikalische Höhen,...Archaische Urgewalt und Majestät, grelle Hysterie und sinnliche Laszivität, Frohsinn und Fäulnis: Dies alles und hunderte Zwischentöne und Stimmungsüberblendungen waren bei Chefdirigent Poschner und dem Bruckner Orchester Linz da, und ein gewaltiger Schluss natürlich sowieso. Es ist also wieder einmal der Orchestergraben, von dem aus im Landestheater Linz die lichtesten künstlerischen Höhen erklommen werden."
Zur vollständigen Kritik  |  Der Standard, Stefan Ender

"Die rhythmische Akkuratesse ist staunenerregend."
Zur vollständigen Kritik  |  Die Presse, Wilhelm Sinkovicz

"Dirigent Markus Poschner schöpfte mit dem Bruckner Orchester die dichte Dramaturgie des Werks punktgenau aus. Das bei der Musiktheater-Premiere in Mega-Besetzung aufspielende Bruckner Orchester unter seinem die dichte Dramaturgie des Stückes punktgenau ausschöpfenden Chefdirigenten Markus Poschner meisterte Dynamik und Klanggestaltung."
Zur vollständigen Kritik | OÖ Krone, Balduin Sulzer

"... das großartig disponierte Bruckner Orchester unter Markus Poschner, das diese Partitur akribisch entschlüsselte. So öffnen sich in Strauss Riesenorchester die Kanäle, auf denen die Solisten freie Bahn haben – Musikalisch grandiose Produktion einer der schwierigsten Strauss-Opern."
Zur vollständigen Kritik | OÖN, Michael Wruss

„Elektra“ als musikalische Sensation
Markus Poschner setzt mit Strauss-Oper einen Meilenstein. Das herausragende Ereignis des Abends findet im Orchestergraben statt, dessen Raum von 115 Musikern des in Höchstform agierenden Bruckner Orchesters ausgereizt wird. Markus Poschner gelingt es mit diesem Klangkörper, alle Facetten der genialen Strauss-Partitur zwischen sanfter Lyrik und explosiver Dynamik auszuleuchten, die Spannung voranzutreiben und das Publikum "gefangenzunehmen".
Zur vollständigen Kritik | OÖ Volksblatt, Paul Stepanek



ELEKTRA

RICHARD STRAUSS
Tragödie in einem Aufzug von Richard Strauss | Text von Hugo von Hofmannsthal
Oper in deutscher Sprache mit Übertiteln
Spielstätte Großer Saal Musiktheater
Dauer 01 Std. 40 min.
Markus Poschner Dirigent

STÜCKINFO
Wo antike Mythologie, die frühe Psychoanalyse und spätromantische Oper aufeinandertreffen: Nach Salome und Die Frau ohne Schatten setzt das Landestheater Linz seinen Richard Strauss-Zyklus nun mit dem Einakter Elektra fort, der sich der Durchleuchtung nervöser Psychogramme am Hof von Mykene und der großen Rache der Elektra widmet. Erleben Sie Chefdirigent Markus Poschner am Pult eines gigantischen Orchesterapparats!

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Wednesday, January 16, 2019

ELEKTRA

Gedanken zu ELEKTRA

von Markus Poschner


„Elektra“ ist der Beginn eines völlig neuen Denkens in der Musik: Tonalität beginnt sich endgültig aufzulösen und damit die fast 1000 jährige Gebundenheit an ein System aus Regeln. In der Oper begann alles mit Orpheus, dem ersten Held, der um das Jahr 1600 als Erster singend die Theaterbühne betritt. Orpheus, der mit seinem Gesang die Natur zähmt und den Tod besiegt, bindet über seinen Gesang das Wort an ein Gefühl. Das war radikal neu. Kein Gott vermag es zu verhindern, dass er sich nach seiner geliebten Eurydike umdreht. Ein Riss geht durch eine autoritär geregelte Welt, ein Mensch setzt sich mit seinen Empfindungen über alles andere. Orpheus singt, was er fühlt. Das einzige, was er an Gegenüber akzeptiert, ist sein Echo. Exakt am anderen Ende dieser dort beginnenden Entwicklung steht nun die Oper „Elektra“: ein weiteres Mal in der Geschichte gibt sich ein Werk ganz unvergleichbar seine Gesetze selbst. 


Foto: Sakher Almonem
Es lädt ein zu einem Gang ins tiefste Innere und fährt mit dem Aufzug nicht hinauf, sondern hinunter in den schwärzesten Keller einer menschlichen Existenz - ohne jegliche Tabus. War bis dahin das Kernmotiv der Operngeschichte Vergebung, Erlösung oder Läuterung, so ist es in „Elektra“ der reine Hass.

Hass, der zu nichts führt und alles verstummen lässt. So stehen am Ende der Oper sogar die Worte: „Es herrscht Stille.“ Und da, wo abgrundtiefer Hass herrscht, muss anfangs natürlich auch unbändige Liebe im Spiel gewesen sein. Diese extremen emotionalen Zustände forderten den Komponisten Strauss zu einer ebenso extremen Antwort heraus: Die Leitmotivtechnik und Polyphonie im Sinne Wagners ballt sich zu ungeahnten neuen Formen und Überlagerungen, die immer wieder die Grenzen der Tonalität erreichen oder unumkehrbar überschreiten. Der orchestrale Aufwand ist der größte überhaupt in einer Strauss-Oper, und die Anforderungen an Orchester und Sänger-Ensemble sehr hoch.



Das Genie Hofmannsthal hat die Geschichte eines Familien-Traumas entworfen, die mit Strauss` genialer Musik zu einem Monstrum verschmolzen ist: alle sind Täter und alle sind Opfer. Es spiegelt genauso den Zeitgeist seiner Entstehung und ist auch Fanal des Zusammenbruchs der alten Ordnung im „Fin de siècle“ vor dem ersten Weltkrieg, wie es für unser Heute eine brandaktuelle Warnung bedeutet: niemand entrinnt seiner eigenen Geschichte. Alle Figuren in diesem Stück sind defekt, sie lehnen sich gegen die ihnen von der Gesellschaft zugeteilten Rollen auf. Der Tochter-Mutter-Konflikt zwischen Elektra und Klytämnestra behrrscht das Zentrum, was auch in der Spannung zwischen unerfüllter und erfüllter Sexualität zu suchen ist: Klytämnestra, die Enthemmte und Befreite. Elektra, die Unterdrückte und Gefangene. Einzig Chrysothemis will „einfach nur ein Weiberschicksal und Kinder haben“. 

Trotz der antiken Klarheit der Geschichte ist der zentrale Konflikt vielschichtig und stets vage, was Strauss musikalisch zwischen die Zeilen verlagert. Jederzeit ist alles möglich. Und immer weiß es die Musik zuerst.

So entstand ein brutaler Psycho-Thriller, der Assoziationen an großes Kino weckt. Die Musik könnte auch immer wieder als „Soundtrack“ durchgehen, der ungebremst sein Tempo durchzieht und alle atemlos und verrückt macht. Andrerseits spiegelt das Werk die Säulen der antiken Tragödie: Rückkoppelung, Verkettung und große Metaphern; vor allem jene von der Familie als kleinste gesellschaftliche Einheit, in der sich die größtmögliche Katastrophe abspielt.



ELEKTRA

Tragödie in einem Aufzug von Richard Strauss | Text von Hugo von Hofmannsthal
Oper in deutscher Sprache mit Übertiteln

Premiere 19.01.2019
Spielstätte Großer Saal Musiktheater
Dauer 01 Std. 40 min.
Markus Poschner Dirigent

STÜCKINFO
Wo antike Mythologie, die frühe Psychoanalyse und spätromantische Oper aufeinandertreffen: Nach Salome und Die Frau ohne Schatten setzt das Landestheater Linz seinen Richard Strauss-Zyklus nun mit dem Einakter Elektra fort, der sich der Durchleuchtung nervöser Psychogramme am Hof von Mykene und der großen Rache der Elektra widmet. Erleben Sie Chefdirigent Markus Poschner am Pult eines gigantischen Orchesterapparats!



Tuesday, January 08, 2019

Herr Poschner, bitte ein Wort zu Elektra und Richard Strauss!


Was ist Elektra für Sie?

Foto: Sakher Almonem
Ein unglaublicher Albtraum. Man erlebt die Protagonisten in ihren extremsten Gefühlsregungen: von innigster Liebe bis hin zum abgrundtief schwarzen Hass. Das, was sich bei Tristan an Aggregatzuständen in der Musikgeschichte schon angekündigt hat, wird bei Elektra vollkommen an den Rand des Möglichen und Erträglichen getrieben. Strauss gelangt dabei an einen Punkt in seinem musikalischen Schaffen, an den er nie wieder zurückkehren wird. Die antike Vorlage diente ihm und Hofmannsthal eigentlich nur als Folie. Hofmannsthal hat die tatsächliche Geschichte ziemlich verändert. Es ging ihm jetzt hauptsächlich um die inneren Zustände, das Aus-sich-Heraustreten und unbewußte Vorgänge. Es ist dabei kein Zufall, dass Strauss Elektra musikalisch so komprimiert und verdichtet anlegt, gerade einmal 90 Minuten ohne Unterbrechung! Da hat der Wahnsinn Methode. Zum einen treffen wir auf Klytämnestra, eine vom Schicksal gebeutelte und aus der Bahn geworfene Frau und zum anderen auf ihre Tochter Elektra, die einerseits von einer hysterischen Leidenschaft ihrem Vater gegenüber getrieben und sich andererseits allein über den Hass gegen ihre Mutter definiert. Die Männer spielen eine vollkommen untergeordnete Rolle, wobei der eigentliche Auslöser der Tragödie, Agamemnon, nicht einmal auftritt. Die Musik von Strauss zur Elektra, wenn sie wirklich gut gespielt wird, muss verrückt machen, das hat die Partitur mit dem Tristan gemeinsam. Und da werden wir uns alle Mühe geben.


War Strauss musikalisch hier an eine Grenze gelangt, an der er nicht weiterwollte?

Ich glaube, dies ist sozusagen eine optische Täuschung. Im Rückblick ergibt sich vermutlich erst dieser lineare Eindruck in seinem Schaffen. Es heisst, er hätte mit dem Rosenkavalier all seine Avantgarde-Freunde, die große Hoffnung in ihn als Erneuerer setzten, enttäuscht. Derweilen war Strauss lediglich auf der Suche nach den perfekten musikalischen Ausdrucksmitteln für seine so unterschiedlichen Sujets. Darin war er zweifellos der größte Meister, passgenau zu arbeiten, sich wie ein Chamäleon den Stoffen einzufühlen und danach auszurichten. Er hätte ein Telefonbuch vertonen können, wie er selbst immer sagte. Genau das ist auch bei Elektra eingetreten: eine Musiksprache, die zu so extremen Mitteln greift, wie nie zuvor. Strauss war in diesem Sinne ein unheimlich modern denkender Mensch, der, ähnlich einem Schauspieler, kompositorische Verwandlungen hinlegen konnte und auch nicht vor einem vermeintlichen Salto rückwärts, was der Rosenkavalier ja zweifellos nicht ist, zurückschreckte, sofern es der Darstellung einer Geschichte diente.

Foto: Reinhard Winkler