Monday, September 24, 2018

MEINBOL Folge #21: Gerda Fritzsche, Bratsche




Mein Instrument 

Meine Musik 

Gerda Fritzsche, Bratschistin 

Mein Instrument:
Ich habe mit fünf Jahren begonnen, Geige zu lernen. Ich liebte Musik von Anfang an, aber ich konnte mich mit dem Klang des Instruments nicht anfreunden. Mit 14 wollte ich aufhören. Als mir dann meine Lehrerin eine Bratsche in die Hand gab, war es Liebe auf den ersten Blick! Die C-Saite und die Ähnlichkeit zur menschlichen Stimmlage faszinierte mich. Ab diesem Moment ging alles extrem schnell. Ich gründete ein Streichquartett, wir hatten fantastische Erlebnisse in aller Welt. So stieg die Motivation, mehr zu wollen. Ich erhielt ein Stipendium und studierte in Belgien bei Michael Kugel. Er arbeitete auf der virtuosen Linie, gegen das Image der Bratsche als langsames Instrument an. Wir spielten Paganini und waren topfit. Dann ging alles Schlag auf Schlag! Ich gewann mein erstes Probespiel beim London Philharmonic Orchestra. Und wie das dann nicht klappte, weil ich einfach zu dem Zeitpunkt noch zu unerfahren und zu jung war, habe ich in Linz vorgespielt und so bin ich hierhergekommen. Das ist meine Geschichte. Es ist meine fünfzehnte Saison beim Bruckner Orchester Linz. Es war eine tolle Zeit bis jetzt und es bleibt spannend.

Meine Musik:
Meine Musik ist immer die, die ich gerade spiele, ob im Orchester, in der Kammermusik oder als Solistin. Zu Hause höre ich keine, aber im Kopf habe ich immer Musik. Es sei denn, ich mache einen Großputz, dann leg ich mir vielleicht einmal Ella Fitzgerald auf. Stille ist wichtig – ohne die Stille haben wir nicht die Möglichkeit zu musizieren.

Tuesday, September 18, 2018

HIMMEL!

von Norbert Trawöger

Markus Poschner, Foto: Volker Weihbold
„Und diese himmlische Länge der Symphonie, wie ein dicker Roman in vier Bänden etwa von Jean Paul, der auch niemals endigen kann, und aus den besten Gründen zwar, um auch den Leser hinterher nachschaffen zu lassen.“, schreibt Robert Schumann über Franz Schuberts Große C-Dur Sinfonie, die nicht nur deswegen ganz groß ist, weil es mit seiner Sechsten schon eine kleinere Sinfonieschwester in der gleichen Tonart gibt. Schumann war jener Mann, der die himmlischen Längen bei Schuberts Bruder Ferdinand aufgespürt und die umjubelte Uraufführung unter Felix Mendelssohn Bartholdy – fast elf Jahre nach dem Tod ihres Schöpfers – am 21. März 1839 in Leipzig verursacht hat. Ebendort  erklang das große Violinkonzert des Uraufführungsdirigenten der „Großen“ unter der Leitung des dänischen Dirigenten und Komponisten Niels Wilhelm Gade am 13. März 1845 das allererste Mal. Solist war der legendäre Violinvirtuose und Konzertmeister des Gewandhausorchesters Ferdinand David, der sein Versprechen einlöste, das Werk mit solcher Leidenschaft zu spielen, „daß sich die Engel im Himmel freun sollen“.

Zu erzählen gäbe es noch viel, etwa dass Franz Schubert seine Sinfonie im Frühjahr 1825 begonnen und an dieser auch bei Ferdinand Traweger, einem Vorfahren des Verfassers dieser Zeilen, im Sommer dieses Jahres in Gmunden gearbeitet haben soll. Ich will Sie aber nicht länger mit Familiengeschichten langweilen, auf uns warten himmlische Längen und Klänge, die nicht nur Engel freuen …

Norbert Trawöger leitet die Dramaturgie & Kommunikation des BOL