Wednesday, May 09, 2018

ANKOMMEN


Reisen heißt ankommen, hat ein kluger Mensch gesagt. 

Was wir in unserer zehntägigen Konzertreise durch das Vereinigte Königreich erlebt haben, ist schwer zu beschreiben. Wir sind in sechs schottischen und englischen Städten angekommen, haben unsere Instrumente ausgepackt und sind mit Sinfonien von Gustav Mahler, Anton Bruckner und Wolfgang Amadeus Mozart beim Publikum angekommen. 

Die Resonanz - auch in der schottischen, englischen und österreichischen Presse - ist schlichtweg überwältigend. Mit und in der Musik lösen sich Grenzen auf, Ortsüblichkeiten und sonstige Barrieren verschwinden. Auch wenn unsere fantastischen Orchesterwarte manch steile Rampe zu überwinden hatten, um die Instrumente, Pulte und Frackkisten in die Innenräume der Konzerthäuser zu schaffen. Und es soll nicht verschwiegen werden, dass die knapp aufeinanderfolgenden Aufführungen von derartigen Symphoniemassiven wie es eben die Zweite von Mahler ist, viel Kondition, Ausdauer und Disziplin erfordern. 

Doch bringt so eine Reise mit sich, dass man in immer tiefere Schichten dieser klingenden Landschaften vordringt, sie kennenlernt und somit sich selber. Obendrein wenn man so einen inspirierenden Reiseleiter wie unseren Chefdirigenten Markus Poschner um sich wissen darf. Und einen solchen wie unseren Orchestermanager Oliver Deak, der gemeinsam mit Christiane Bähr für einen reibungslosen logistischen Ablauf (vor)gesorgt hat. Reisen heißt aber auch, sich seines Ursprungs, seiner Klangidentität bewusster zu werden und diese immer mehr zum Klingen, zum Ausdruck zu bringen. In der Musik kommt man ohnehin nie an, nur für den Moment. Das Suchen und Finden beginnt jedes Mal von neuem. Man kommt immer wieder an. Und trotzdem verschieben sich die Ausgangspunkte und Perspektiven. Wir sind wieder angekommen und gut in Linz. 

Die Klänge bleiben, auch wenn sie längst verklungen sind. 



Foto von Reinhard Winkler

Sunday, May 06, 2018

PURE FREUDE!

Gleich beginnt unser sechstes und letztes Konzert in der Symphony Hall in Birmingham, der zweitgrößten Stadt Englands. Von eindrucksvollem Ausmaß ist die 1991 eröffnete Konzerthalle, in der über 2000 Menschen Platz finden. 

Wir kommen eben von Sheffield, wo wir gestern im viktorianischen Bau der City Hall noch ein fünftes Mal, unter Beteiligung von mehr als 200 englischen Sängerinnen und Sängern, die zweite Sinfonie von Gustav Mahler gespielt haben und vom Publikum frenetisch gefeiert wurden. Heute steht Mozarts „Haffner“ Sinfonie und die „Achte“ von Bruckner auf dem Programm. Im Konzertraum und im Backstage Bereich wird noch fest eingespielt. 

Die Spannung steigt. 

Morgen um die Zeit sind wir wieder in der Heimat zurück, erfüllt von einer unglaublich energiereichen Konzertreise. Die Freude ist groß. Der Chefdirigent Markus Poschner unglaublich stolz auf sein Orchester. Der Tage folgt noch ein Resümee unseres Aufbruchs im Vereinigten Königreich. 

Stay tuned, wie die Engländerinnen und Engländer sagen. 

Friday, May 04, 2018

MENSCHENMÖGLICH


Es ist ein rares Vorkommen, wenn die Cadogan Hall ausverkauft ist und sich das Londoner Publikum zu Standing Ovations hinreißen lässt, merkte ein Londoner Musikagent beim Verlassen des Konzertorts an. Beides ist gestern geschehen. Nicht weniger schön ist, dass mit unserem Landeshauptmann eine Gruppe Menschen aus Oberösterreich gekommen ist, um uns in der englischen Weltstadt zuzuhören. - Dies bedeutet mehr als Rückendeckung, wir verstehen diese Präsenz als große Wertschätzung unseres Klangdaseins als internationaler Botschafter unserer Heimat. Unsere Tour ist erfolgreich, dies kann man beruhigt behaupten. Aber ist der eigentliche Erfolg nicht der, dass ein Chor aus Bournemouth, englische Musikerinnen und Musiker für das Fernorchester, zwei deutsche Solistinnen und wir, das BOL - in dem selbst Menschen aus mehr als 20 Nationen spielen - sich unter der Leitung eines bayrischen Chefdirigenten in einer Symphonie von Gustav Mahler treffen, verständigen und ein gemeinsames Ereignis schaffen, das keine Grenzen, Reisepässe oder sonstige Unterschiedlichkeiten kennt. Auf die Viefalt der Zuhörenden, will ich dabei erst gar nicht vergessen. In der griechischen Wortwurzel der Symphonie steckt das Zusammenklingen. In Mahlers Musik kulminieren selbst Jahrhunderte der Musikgeschichte, Einflüsse unterschiedlicher Klangherkünfte von der italienischen Oper, unserem Landler bis hin zu böhmischen Musikantengesang und avantgardistischer Kollagenarchitektur in einem transpersonalen Stück Weltmusik. Menschen treffen sich für eineinhalb Stunden auf diesem genialen Symphoniengelände und erfahren, dass alles Trennende im puren Menschsein eine Illusion ist. Auf Reisen zu gehen, bringt mit sich, Grenzen zu überwinden. Die Musik macht es menschenmöglich.  
NT

Das 3. Konzert in der Londoner Cadogan Hall. Foto: Reinhard Winkler

Wednesday, May 02, 2018

Dort wo schon Richard Tauber sang…


Nach unserem resonanzreichen Initialkonzert* in der jahrhundertschönen schottischen Hauptstadt Edinburgh sind wir Richtung Süden nach England aufgebrochen. Genauer gesagt  fuhren wir 156 Meilen (250 Kilometer) entlang der einzigartigen Küstenlandschaft in die englische Industriestadt Middlesbrough. Eine Stadt mit ungefähr 140.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, dessen Industrien man ihr von weither ansieht, wie die Depression, die über ihr in postindustriellen Zeiten liegt. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch hier und man spürt im ersten Moment, welch rauerer Wind hier weht. Es ist wirklich sehr windig hier.

Mitten im Zentrum steht die Middlesbrough Town Hall, die zwischen 1883 und 1889 erbaut und am 23. Jänner 1889 durch den Prinz und die Prinzessin von Wales (später König Edward VII und Königin Alexandra) feierlich eröffnet wurde. Dieser eben neu renovierte viktorianische Konzertsaal verfügt über 1190 Sitzplätze, die bei unserem gestrigen Konzert fast alle besetzt waren. Die Bühne der Town Hall stellter unsere Orchesterwarte eine große Herausforderung dar:  Aufgrund der großen Orchesterbesetzung von Mahlers 2. Sinfonie, den philharmonischen Chören (Leeds & Sheffield Philharmonic Choruses) sowie der 12 lokalen Bühnenmusiker, musste die Bühne um fünf Meter vergrößert werden.

An diesem besonderen Konzertort haben schon Johann Strauss oder unser Welttenor Richard Tauber musiziert. Gestern waren wir da. Es ist schon ein Ereignis an einen Ort das „Urlicht“ bringen zu dürfen, an denen Menschen mit ganz anderen Realitäten umzugehen und auch zu kämpfen haben. Die Zuhörenden unterliegen hier nicht unbedingt dem Zwang, sich in Schale zu werfen, nehmen ihr Getränk in den „geheiligten“ Konzertraum mit, um dazwischen daran zu nippen. - Oder ist am Schluss, nachdem der Applaus relativ schnell verebbt war, selbst über die Auswirkung des abtretenden Orchesters erschrocken und beginnt sofort wieder zu klatschen und laut zu stampfen.

„Aufersteh’n, ja aufersteh'n …“ bekommt hier noch einmal eine ganz andere Dimension. (Mahlers) Musik vermag vieles. Eineinhalb Stunden Licht, gemeinsames Horchen, Würde, Schönheit, Berührung …. Wir freuen uns, genau hier gespielt haben zu dürfen. Und heute geht es weiter in die Weltmetropole London, wo Mahlers zweite Sinfonien vielleicht ganz andere Botschaften ausrufen wird. Letztlich hängt es von uns ab, was wir hören, wenn wir zuhören. NT


Sunday, April 29, 2018

DAS WAR DER ERSTE STREICH!

Heute um 15 Uhr ging unser Initialkonzert in Edinburgh über die Bühne der Usher Hall, die wie für die Großbesetzung der zweiten Sinfonie von Gustav Mahler geschaffen ist. 200 Sängerinnen und Sänger der philharmonischen Chöre aus Leeds und Sheffield kamen in die schottische Hauptstadt, um den Chorpart der "Auferstehungssinfonie" zu übernehmen. Die Soloparts sangen Theresa Kronthaler (Alt) und Brigitte Geller (Sopran). "Mahler's Symphony is a heart-shattering work of genius" war im Programmheft zu lesen. Und das Publikum war offensichtlich bewegt von der Wiedergabe. Innerhalb nur einer einzigen gemeinsamen einstündigen Probe verständigten sich die Chöre, das Fernorchester, das von lokalen Musikern gestellt wurde, und das Bruckner Orchester Linz unter der Leitung von Markus Poschner und vollbrachten ein Mahlerfest, das jede Grenze nicht nur überwindet, sondern erst gar nicht zu kennen scheint. Von namenloser Freude hört man in Beethovens "Fidelio". Unsere Freude hat einen Namen und sie ist für heute grenzenlos.

Auferstehung! Usher Hall, Edinburgh (28.04.2018) Foto: Reinhard Winkler


THAT WAS THE FIRST STROKE!

Today at 3pm our initial concert took place in Ediburgh's Usher Hall which is definitely designed for large orchestration settings just like Gustav Mahler's second symphony. 200 singers of Leeds and Sheffield philharmonic choirs have travelled to Scotlands capital to take over the chorus part of resurrection-symphony. Soloists were Theresa Kronthaler (Alto) and Brigitte Geller (Soprano).

It was announced that "Mahler's Symphony is a heart-shattering work of genius" and the audience has been obviously touched by the performance. After just one joint rehearsal, the Bruckner Orchester Linz, the soloists, the off-stage musicians had clearly a strong bond with Markus Poschner, the chief conductor. Our first performance evolved to a limitless Mahlerfest. What a joy!