Friday, June 14, 2019

WIR VERBINDEN SPIELERISCH!

GEDANKENSPIELEREIEN ZUM SPIELEN


Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt., schreibt Friedrich Schiller in seiner 1795 verfassten Abhandlung mit dem Titel „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“. Ein Orchester kann gar nicht anders, als zu spielen. Kein Ton würde erklingen. Instrumente werden gespielt, auch wenn es Arbeit ist.


SPIELEN BEFREIT UNS ZU UNS SELBST. 


Kinder spielen von selbst. Ein Baustein genügt, um Städte zu errichten und damit unerhörte Geschichten zu erzählen. Spielen befreit uns zu uns selbst. Das kindliche Spiel ist nicht per se auf Lustgewinn ausgerichtet, es dient der Welterfahrung und ist dabei ein Zustand größter Ernsthaftigkeit. Wir Erwachsenen nennen es später  „Flow“, eine Hingabe an eine Beschäftigung welcher Art auch immer, die uns in den Zustand der Selbstvergessenheit geraten lässt. Wir finden dabei einen absichtslosen Ort puren Menschseins, der keinem Ziel und Zweck unterworfen ist. Wir übersehen die Zeit und die Welt um uns, wenn sie unser Spiel nicht stört. Wobei zwischen Spiel und Spiel ein Unterschied sein kann, aber nicht muss, der im Englischen mit „play“ und „game“ präziser benannt wird. „Game“ bedeutet meist Wettkampf wie etwa beim Tennis- oder Kartenspielen. Auch dabei sind wir nicht davor gefeit, in den spielerischen Fluss der Hingabe zu kommen. Die Skilegende Toni Sailer wurde einmal gefragt, warum er so schnell sei. Seine Antwort war: Da muasst de Schi einfach laffn lossn. Um die Ski einfach laufen lassen zu können, braucht es eine große Meisterschaft. Technische Schwierigkeiten zur Bewältigung einer Piste dürfen nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen. Wettbewerb hindert nicht am Spielen.


EIN ORCHESTER KANN GAR NICHT ANDERS, ALS ZU SPIELEN.

Wir müssen unsere Ideen verwirklichen, reden allein hilft nicht: Wir müssen uns selbst aufs Spiel setzen und zeigen, was wir auf die Beine stellen können!, schrieb der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer. Ein Orchester spielt. Reden hilft beim Proben. Musikerinnen und Musiker spielen ihre Instrumente, um ein Werk auf die Beine zu stellen, eine Sinfonie oder eine Oper zu Gehör zu bringen. Dabei werden Ideen eines Werks gemeinsam verwirklicht, was Virtuosität in den instrumentalen Handgriffen und große Spielfähigkeiten im Ausdrucksvermögen jeder einzelnen Musikerin, jedes Musiker verlangt. Dabei ums und fürs Leben spielen, kann die Zeit für uns alle anhalten, für die Spielenden wie die Hörenden.


WAS WIR SPIELEN, IST DAS LEBEN!


Wir spielen das Leben! ist ein Ausspruch, den der Jazztrompeter Louis Armstrong gemacht haben soll. Anders übersetzt: Was wir spielen, ist das Leben! Die Kunst macht es möglich, sie ist ein Erinnerungs- und Erfahrungsort für Vieles und vor allem für den Spielraum des Schöpferischen. Das Bruckner Orchester Linz spielt fast täglich. Schlichtweg errichten wir in Sinfonien von Anton Bruckner, in Musiken anderen Ursprungs früherer Zeiten und der Gegenwart, in musiktheatralischen Aufführungen in unserem Landestheater Erfahrungsräume fürs Menschsein. Wir spielen in unserer Heimat Oberösterreich, mitten im Herzen Europas. Wir spielen in der Welt, für die Welt. Musikerinnen und Musiker aus mehr als 20 Nationen formen dieses vielfältige Orchester, dieses einzigartige Spielkollektiv für uns Menschen. Wir spielen in unserem Landestheater, in unseren Konzertorten wie dem Brucknerhaus, dem Wiener Musikverein, auf dem Land, in Europa und sonst wo. Dafür spielen wir, in höchster Qualität, Spielfreude, Intensität und Dringlichkeit. Frei nach Billie Holiday:


„WE NEVER PLAY A SONG THE SAME WAY TWICE.“ 


Fühlen Sie sich frei und kommen Sie in unseren gemeinsamen Spielraum. Kunst verbindet spielerisch.

Norbert Trawöger
Künstlerischer Direktor des BOL 

http://bruckner-orchester.at/images/download/orchesterbuch_2019_2020.pdf
Hier geht's zum Orchesterbuch 2019.20

Wednesday, April 10, 2019

Seine Musik bleibt uns und wird uns immer wieder zum Lachen bringen!


Foto: Reinhard Winkler

Das Bruckner Orchester Linz, sein Chefdirigent Markus Poschner und sein ehemaliger Chefdirigent Dennis Russell Davies sind vom Tod Balduin Sulzers tief betroffen. Drei Opern, viele Sinfonien und Orchesterwerke hat das Bruckner Orchester uraufführen dürfen. Zuletzt hat das Orchester unter Markus Poschner mit seinem Werk „Quasi una fanfara“ das Brucknerfest 2017 eröffnet. Bei unserer ersten USA Tournee unter Dennis Russell Davies im Jahr 2005 war die „Fünfte“ im Tourgepäck. In seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Musikkritiker hat er tausende unserer Konzerte und Opernaufführungen unverwechselbar beleuchtet. Nicht zu vergessen ist, dass nicht wenige Mitglieder des BOL Schülerinnen und Schüler von Balduin Sulzer waren.


„Ob ein Musikleben in Oberösterreich ohne Balduin Sulzer überhaupt denkbar ist, wird die Zeit erst beweisen müssen. Auf alle Fälle wird es ein völlig anderes. Wir sind unendlich dankbar, ihm vielfältig begegnet zu sein. Seine Musik bleibt uns und wird uns immer wieder zum Lachen bringen!“

Norbert Trawöger
Künstlerischer Direktor Bruckner Orchester Linz

Wednesday, March 13, 2019

Wissenswertes aus dem BOLiversum: Schlagwerk





Fingerzimbeln, Röhrenglocken, Sandpaper Blocks ...
In der 2. Folge "Wissenswertes aus dem BOLiversum" beschäftigen wir uns mit den Schlagwerkinstrumenten.
Christian Enzenhofer und Fabian Homar hatten dieses Mal besondere Unterstützung von Schlagwerkschüler Declyn Lehner!

Thursday, February 28, 2019

DENKT UND FÜHLET!

c_Marietta Tsoukalas
Diese Routine wird sehr geschätzt und oft verlangt; im Musik-„amte“ wird sie beansprucht. Daß Routine in der Musik überhaupt existieren und daß sie überdies zu einer vom Musiker geforderten Bedingung gemacht werden kann, beweist aber wiederum die engen Grenzen unserer Tonkunst. Routine bedeutet: Erlangung und Anwendung weniger Erfahrungen und Kunstgriffe auf alle vorkommenden Fälle. Demnach muß es eine erstaunliche Anzahl verwandter Fälle geben. Nur erträume ich mir gern eine Art Kunstausübung, bei welcher jeder Fall ein neuer, eine Ausnahme wäre! (…) Die Routine wandelt den Tempel der Kunst um in eine Fabrik. Sie zerstört das Schaffen. Denn Schaffen heißt: aus Nichts erzeugen. (…) Man möchte rufen: meidet die Routine, beginnt jedesmal, als ob ihr nie begonnen hättet, wisset nichts, sondern denkt und fühlet! Dazu ruft Ferruccio Busoni in seiner Ästhetik der Tonkunst – ein denkwürdiges Büchlein, das in keinem ordentlichen Haushalt fehlen sollte – vor gut 100 Jahren auf.

Sein monumentales Konzert für Klavier und Orchester mit Männerchor spielte er selbst als Solist mit den Berliner Philharmonikern bei der Uraufführung im Jahre 1904. Die Gattungstradition des Klavierkonzerts überlagert sich mit jener der Sinfonie. Das Klavierkonzert ist für Busonis Schaffen untypisch, sofern man dieses üb
erhaupt zu typisieren vermag. In seinen letzten Jahrzehnten bevorzugte der Komponist, Pianist, Musikdenker, Lehrer von so unterschiedlichen Schülern wie Edgar Varèse und Kurt Weill, gedämpfte Farben und schattige Formen.
Im Gegensatz dazu ist das Konzert ein knalliges, übertriebenes Stück, vollgestopft mit romantischen Hinweisen aus dem 19. Jahrhundert. Es beginnt mit einem Brahms Pasticcio, geht dann weiter zu Beethoven ähnlichen Motiven, Lisztschen Arpeggien in Wagner Orchestrierung, zarten chopinesken Zwischenspielen bis hin zu Crescendi, die man von Rossini zu kennen glaubt. Als ob dies nicht genug wäre, beschäftigt das Finale einen Männerchor, der aus Adam Oehlenschlägers Erlösungsdrama „Alladin“ intoniert, ein Hymnus an Allah. Mahlerianisch ist die Arbeit in fünf Sätzen und dauert weit über eine Stunde. „The Monster Concerto“ wie es Alex Ross nennt, ist ein Ereignis, das es sehr selten zu erleben gibt.

Bei der Uraufführung seiner vierten Sinfonie stand Brahms 1885 in Meiningen selbst am Pult - auch ein seltenes Ereignis. Es war das letzte Wort des Symphonikers Brahms - zehn Jahre vor seinem Tod - Schluss- und Höhepunkt einer Gattung, die ihm so viel Mühe gekostet hat. Man möchte rufen: ein Meisterwerk unter Meisterwerken! 

Denkt, fühlet und vor allem höret!


Norbert Trawöger
leitet die Kommunikation und Dramaturgie des BOL

Monday, January 21, 2019

ELEKTRA als musikalische Sensation!

Pressestimmen:

"Richard Strauss "Elektra" am Landestheater Linz wird durch Markus Poschner und das Bruckner Orchester Linz zum klingenden Ereignis. Musikalische Höhen,...Archaische Urgewalt und Majestät, grelle Hysterie und sinnliche Laszivität, Frohsinn und Fäulnis: Dies alles und hunderte Zwischentöne und Stimmungsüberblendungen waren bei Chefdirigent Poschner und dem Bruckner Orchester Linz da, und ein gewaltiger Schluss natürlich sowieso. Es ist also wieder einmal der Orchestergraben, von dem aus im Landestheater Linz die lichtesten künstlerischen Höhen erklommen werden."
Zur vollständigen Kritik  |  Der Standard, Stefan Ender

"Die rhythmische Akkuratesse ist staunenerregend."
Zur vollständigen Kritik  |  Die Presse, Wilhelm Sinkovicz

"Dirigent Markus Poschner schöpfte mit dem Bruckner Orchester die dichte Dramaturgie des Werks punktgenau aus. Das bei der Musiktheater-Premiere in Mega-Besetzung aufspielende Bruckner Orchester unter seinem die dichte Dramaturgie des Stückes punktgenau ausschöpfenden Chefdirigenten Markus Poschner meisterte Dynamik und Klanggestaltung."
Zur vollständigen Kritik | OÖ Krone, Balduin Sulzer

"... das großartig disponierte Bruckner Orchester unter Markus Poschner, das diese Partitur akribisch entschlüsselte. So öffnen sich in Strauss Riesenorchester die Kanäle, auf denen die Solisten freie Bahn haben – Musikalisch grandiose Produktion einer der schwierigsten Strauss-Opern."
Zur vollständigen Kritik | OÖN, Michael Wruss

„Elektra“ als musikalische Sensation
Markus Poschner setzt mit Strauss-Oper einen Meilenstein. Das herausragende Ereignis des Abends findet im Orchestergraben statt, dessen Raum von 115 Musikern des in Höchstform agierenden Bruckner Orchesters ausgereizt wird. Markus Poschner gelingt es mit diesem Klangkörper, alle Facetten der genialen Strauss-Partitur zwischen sanfter Lyrik und explosiver Dynamik auszuleuchten, die Spannung voranzutreiben und das Publikum "gefangenzunehmen".
Zur vollständigen Kritik | OÖ Volksblatt, Paul Stepanek



ELEKTRA

RICHARD STRAUSS
Tragödie in einem Aufzug von Richard Strauss | Text von Hugo von Hofmannsthal
Oper in deutscher Sprache mit Übertiteln
Spielstätte Großer Saal Musiktheater
Dauer 01 Std. 40 min.
Markus Poschner Dirigent

STÜCKINFO
Wo antike Mythologie, die frühe Psychoanalyse und spätromantische Oper aufeinandertreffen: Nach Salome und Die Frau ohne Schatten setzt das Landestheater Linz seinen Richard Strauss-Zyklus nun mit dem Einakter Elektra fort, der sich der Durchleuchtung nervöser Psychogramme am Hof von Mykene und der großen Rache der Elektra widmet. Erleben Sie Chefdirigent Markus Poschner am Pult eines gigantischen Orchesterapparats!

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